Dr. Walther Horn

Dr. Walther Hermann Richard Horn

* 19.10.1871 Berlin
† 10.7.1939

Dr. Walther Hermann Richard Horn

# Entomologie;
Biographisches: HEIKERTINGER, F., 1939: Dr. Walther Horn +. - Kol. Rundsch., 25: 204-206.



gestorben 10.7.1939 Berlin;


Am 10. Juli 1939 ist in Berlin Dr. Walther Horn gestorben. Unleugbar einer der Größten, die in unserer Zeit im Gebiete der Entomologie gewirkt haben. Einer jener Männer, die unsere Wissenschaft ruhelos vorwärtstreiben, einem gesteckten Ziele zu, die ihr kraftvoll Geltung verschaffen,, die sie nötigenfalls in hartem Kampfe vertreten. Vielleicht ist er manchmal einen Schatten allzu kampflustig gewesen, hart und unverbindlich in seinem Angriff. Wir wollen dies nicht entscheiden. Er war ein Mann, der sein Ziel vor sich sah und unbeirrt darauf zuging. Und dieses Ziel war ein hohes. Wa1ther Horn wurde am 19. Oktober 1871 als Sohn eines Fabrikbesitzers in Berlin geboren. Man berichtet, dass er schon als achtjähriger Junge mit seinem Schulfreund Hans Roeschke zum Insektensammeln auszog; was allerdings noch nicht allzu viel besagt. Jedenfalls aber war er früh reif, denn schon im Alter von zwanzig Jahren veröffentlichte er - gemeinsam mit dem genannten Freund - eine grundlegende Arbeit über die paläarktischen Cicindeliden. Über Wunsch seines Vaters studierte er nach Absolvierung des Gymnasiums Medizin, erwarb den Doktorgrad, legte das Staatsexamen ab, hat sich jedoch - abgesehen von einer Verwendung als Feldarzt im Weltkrieg - nie als Arzt betätigt. Sein Leben gehörte der Entomologie. Entscheidend für ihn- war die Bekanntschaft mit der damals führenden Persönlichkeit der Berliner Entomologenschaft, Professor Dr. Gustav Kraatz, den er 1889 kennen lernte. Unter seinem Einfluss wandte er sich den Cicindeliden zu, denen er zeitlebens treu geblieben ist. In die ersten Jahre fallen einige größere Reisen: 1896 nach Nordafrika 1899 nach Ceylon, 1902 nach Süd-, Mittel- und Nordamerika sowie Ostasien. Im Jahre 1904 heiratete er Agnes von Ditfurth, die er als Witwe zurücklässt. Im Jahre 1904 wurde er stellvertretender Direktor, im Jahre 1909 Direktor des von Kraatz aus Privatmitteln erhaltenen "Deutschen Entomologischen Museums". 1911 übersiedelte er mit diesem in das neue Gebäude in Berlin-Dahlem. Von da ab galt alle seine Liebe dem organisatorischen Ausbau des Museums, das er allmählich zu einer Musteranstalt erhob. Mit der Geldentwertung nach dem Zusammenbruch versiegten die Quellen, die das Museum mit den erforderlichen Mitteln versehen hatten. Es gelang Horn jedoch, über die schwerste Zeit hinwegzukommen und schließlich (1922) die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften zur Übernahme des Museums, dessen Name auf "Deutsches Entomologisches Institut" abgeändert worden war, zu bewegen. Damit war, wenigstens teilweise, eine . Arbeitsplanänderung verknüpft; das Museum erweiterte sich zu einem internationalen Auskunfts- und Vermittlungsinstitut von Weltgeltung, ins besonders in entomologisch-bibliographischer Hinsicht, und nahm innigere Fühlung mit der allenthalben staatlich geförderten angewandten Entomologie. Ganz eng wurde diese Bindung, als es 1934 mit der Biologischen Reichsanstalt für Land und Forstwirtschaft in Arbeitsgemeinschaft trat. Nun hatte H o r n sein Institut wieder auf eine feste Basis gestellt. Was er als Institutsleiter Hervorragendes geleistet hat, dürfte allgemein bekannt sein. An hilfsbereitem Entgegenkommen wird er kaum übertroffen werden. Der Spezialist, der die Schätze des Museums zum Studium erbat, der Forscher, der ein seltenes Werk zur Einsicht benötigte oder eine Photokopie daraus wünschte - sie alle fanden in H o r n s Institut rasche und bereitwillige Erfüllung. Denn die entomologische Bibliothek des Instituts hat nur wenige ihresgleichen. Was Horn als Forscher anbelangt, so geht seine Tätigkeit wesentlich nach vier Richtungen. Sie setzt ein mit dem Spezialstudium der Cicindeliden, das et nie aufgegeben hat. Von 284 Veröffentlichungen über diese Gruppe sind hervorzuheben die gemeinsam mit H. Roeschke verfasste Monographie der paläarktischen Arten (1891), die große, allgemein vergleichende Bearbeitung der Gruppe in W y t s man's "Genera Insectorum" (1908-1915), sowie der Cicindelinen-Teil des Junk-Schenkling'schen Weltkatalogs (1926).1) Seine Cicindelidensammlung umfasst 1533 Arten und 1000 Formen mit 1195 Typen, in 25.850 Exemplaren. Wie alle mit offenem Sinn für die Bedürfnisse der Entomologie begabten Spezialisten wurde Horn nach den auf seinem Spezialgebiete gemachten Erfahrungen bald zu allgemeinen Fragen geführt. Solche Fragen hat er schon in der großen Arbeit in den "Genera Tnsectorum" behandelt. Sie betreffen morphologische, klassifikatorische, nomenklatorische, zoogeographische usw. Probleme. Sie finden sich vielfach auch in späteren Schriften wieder. Ein Lieblingsgebiet H o r n s war das von der Allgemeinheit fast vergessene Stiefkind: Geschichte der Entomologie , ins besonders Personalgeschichte. Eine umfangreiche Biographie seines Führers Kraatz, Arbeiten über Linné, Plenciz, Matthew und viele andere Forscher zeugen ebenso hievon wie seine ungemein reichen laufenden Personalnachrichten über .die Entomologen der Erde. Kaum ein Forscher dürfte je so weitreichende Verbindungen unterhalten haben wie Horn. Horn wäre der Mann gewesen, uns eine anschauliche Geschichte der Entomologie der letzten hundert Jahre zu schreiben - die Hälfte der Zeit hat er ja selbst daran handelnd mitgewirkt -; leider hat er sich nur auf wenige Aufsätze beschränkt, die zum Teil überdies stark polemischer Natur sind. Ein anderes Lieblingsgebiet Horn s ist die verwandte Bib1iographie. Die reiche Bibliothek seines Instituts bot eine sichere Grundlage für einen Zettelkatalog der entomologischen Weltliteratur, der ausgebaut wurde und nun rund 250.000 Titel umfasst. Auf dieser Grundlage hat er 1928-1929 zusammen mit Sigm. Schenkling einen vierbändigen "Index Litteraturae Entomologicae" herausgegeben, der allerdings nur eine erweiterte Neuauflage der Hagen'schen "Bibliotheca Entomologica" darstellt und nur die Literatur bis 1863 verzeichnet. Also - offen ausgesprochen - die geringerwertige, stark veraltete Hälfte, während wir für die weit wichtigere Literatur von 1864 an bis heute kein derartiges, zusammengefasstes bibliographisches Hilfsmittel besitzen.2) Außerordentlich verdienstlich sind Horns Veröffentlichungen über den Verbleib der entomologischen Sammlungen der Welt, in welcher Arbeit er auch biographische Angaben sowie photographische Bestimmungszettel- Wiedergaben bringt, die zur nachträglichen Feststellung von Typen wertvoll sein können. Auch über Museologie hat Horn manches veröffentlicht; hier ist er in eine wenig erquickliche Polemik eingegangen. Vielseitig, oft sehr radikal, sind seine Ausführungen über Arbeitsweise und Zukunft der Systematik, über Nomenklaturfragen usw. Man wird da *) Ein vollständiges Verzeichnis seiner Schriften, ein gutes Bildnis und eine ausführliche Lebensskizze - der ich die wesentlichen Daten entnommen habe - gibt Horns Mitarbeiter Dr. Hans Sachtleben in den "Arbeiten über morphologische und taxonomisehe Entomologie", Band 6, 1939, Seite 201-222. 2) H o r n hat die Veröffentlichung dieser Zusammenfassung ihres ungeheuren Umfangs wegen für undurchführbar erklärt. Rechnet man 25 Titel je Seite, so ergäbe sich allerdings ein Werk von 10.000 Seiten. Wer aber Hagen's "Bibliotheca" und Horn - Schenkling' s "Index" näher kennt, der weiß, dass diese Werke eine Unzahl von Arbeiten verzeichnen, die schon nach Titel, Art der Zeitschrift und geringfügigem Umfang als ziemlich bedeutungslos erkennbar sind, die vielfach auch heute kaum mehr beschaffbar wären. Man müsste eben einmal einen energischen Schnitt tun, müsste auf die undurchführbare Vollständigkeit verzichten und nur die wichtigeren Werke anführen. Das würde einen tragbaren Umfang ergeben und doch von ungeheurem Wert für den arbeitenden Entomologen sein, dem zur Zeit auch ein solches Buch fehlt. Teilweise hat ja nun Sigm. Schenkling mit" seinem "Faunistischen Führer durch die Coleopteren-Literatur" dem Mangel abgeholfen; aber das Problem bleibt trotzdem aufrecht. Nicht immer einig mit ihm gehen können, aber man wird, auch bei anderer Einstellung, dem regen, ungemein vielseitigen, kenntnisreichen und bekenntnismutigen Geist Achtung zollen. Dass ein so reger Geist eine große Rolle bei der Organisation- der Internationalen Kongresse spielte, dass er Wanderversammlungen der deutschsprechenden Entomologen ins Leben rief, dass er Zeitschriften schuf und leitete, dass er unermüdlich eine Weltkorrespondenz führte, entspricht nur seiner Wesensart. Der zart gebaute Mann war eia streitbarer Recke, ein wenig versöhnlicher, scharfer Gegner. Ich habe ihn Jahrzehnte lang persönlich gekannt, aber ich habe nur Gutes, nur tatkräftige, sachliche Förderung von ihm erfahren. Sein Andenken als Förderer unserer Wissenschaft und hilfsbereiter Kollege wird dauern. F. Heikertinger. (1939; Koleopterologische Rundschau 25: 204-206.)
Nachruf Walter Horn 60 (aus Mitt. Schweizer Ent. Ges. 15)
Nachruf Walter Horn (aus Mitt. Schweizer Ent. Ges. 15)
Tagungsfoto Wanderversammlung Deutscher Entomologen in Stettin 1927 (aus Entomologische Mitteilungen 17)
Zum 100. Geburtstag von Walther Horn (aus Beiträge zur Entomologie 21)
100 Jahre Deutsches Entomologisches Institut (aus Beiträge zur Entomologie 36)
80 Jahre Deutsches Entomologisches Institut (aus Beiträge zur Entomologie 16)
Aus der Geschichte des ehemaligen Deutsches Entomologischen Institut (aus Beiträge zur Entomologie 23)
Aus der Geschichte der Dipterensammlung des ehemaligen Deutsches Entomologischen Institut (aus Beiträge zur Entomologie 25)
Chronologische Tafel zur Geschichte des Deutschen Entomologischen Instituts 1886-2006 (aus Beiträge zur Entomologie 49)
Die Geschichte der Hymenopterensammlung am Deutschen Entomologischen Institut (aus Beiträge zur Entomologie 29)

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