Otto Scheerpelz sitzend, Maximilian Fischer reicht ihm die Hand, rechts mit dunklem Bart Friedrich Kasy; Foto Archiv Naturhistorisches Museum Wien

Dr. Friedrich Kasy

* 25.9.1920 Wien
† 4.2.1990

Dr. Friedrich Kasy

# Entomologie;



Mit Ablauf des Jahres 1985 tritt Oberrat Dr. Friedrich Kasy, Leiter der Lepidopteren-Sammlung des Naturhistorischen Museums in Wien, in den dauernden Ruhestand. Er hat sich seiner musealen Aufgabe mit größtem Fleiß, mit Ausdauer und in auffallend selbstloser Weise gewidmet. Dafür will ihm das Naturhistorische Museum den aufrichtigen Dank ausdrücken!
Kasy wurde am 25. September 1920 in Wien geboren. Seine Eltern waren der Lokomotivführer Franz Kasy und die Kindergärtnerin Mathilde Kasy, geborene Rasch. Nach der Volksschule besuchte er das Realgymnasium in seinem Heimatbezirk Floridsdorf. Kasy fühlte sich schon damals zur Naturwissenschaft berufen. Allerdings konnte ihm sein Vater keine Hoffnungen auf ein Studium nach der Matura machen. Deshalb trat er nach der 6. Klasse aus dem Realgymnasium aus und studierte an der Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt für chemische Industrie in Wien - Hernals weiter. Dort legte er im Jahre 1940 die Reifeprüfung mit Auszeichnung ab.
Der 2. Weltkrieg spielte ihm - wie so manchem anderen seiner Generation - arg mit. Nach der Schulbank kam bald der Reichsarbeitsdienst, dann der Dienst in der Deutschen Wehrmacht. Vom Oktober 1940 an war Kasy bei einer Nachrichtentruppe und mit dieser auf verschiedenen Kriegsschauplätzen im Einsatz. Im März 1945 geriet er in Ungarn in russische Kriegsgefangenschaft. Ende 1947 konnte er endlich heimkehren.
Trotz seines Alters studierte er dann noch Zoologie und Botanik an der Universität in Wien. Da er keine andere Möglichkeit hatte, mußte er das als Werkstudent tun. Er arbeitete also einige Monate, um das Studium finanzieren zu können. Er schrieb eine Dissertation über den Wasserhaushalt von Schmetterlingspuppen und schloß sein Studium im Frühjahr 1952 ab. Vom November 1952 bis Ende 1955 war Kasy als Hilfskraft auf einem d-Posten am Institut für Forstentomologie und Forstschutz der Universität (damals Hochschule) für Bodenkultur in Wien, das unter der Leitung von Prof. A. Kurir stand.
Am 1. Jänner 1956 wurde Kasy in den wissenschaftlichen Dienst am Naturhistorischen Museum aufgenommen. Er kam zunächst in die Crustacea-Arachnoidea - Myriopoda-Sammlung, wo er hauptsächlich Ordnungs- und Inventarisierungsarbeiten tätigte. Im Jahre 1960 - anläßlich des XI. Internationalen Entomologenkongresses in Wien - wurde ihm die Betreuung der Lepidopteren-(Schmetterlings-) Sammlung übertragen. Diese Sammlung leitete Kasy bis zum Ende seiner Dienstzeit.
Kasy bearbeitete Familien der Kleinschmetterlinge in systematischer, tiergeographischer und faunistischer Hinsicht: insbesondere die Chrysopeleiidae (Walshiidae) und die Stathmopodidae. Als Arbeitsgrundlagen dienten die Bestände des Wiener Museums unter Einbeziehung des einschlägigen Materials anderer Museen und größerer Privatsammlungen. Außerdem tätigte er zahlreiche lepidopterologisch-faunistische Untersuchungen im Burgenland (Gebiet Neusiedlersee) und im östlichen Niederösterreich.
Ein wesentlicher Teil von Kasys umfangreicher Forschungsarbeit war mit wissenschaftlichen Reisen verbunden. 1969 finanzierte ihm die Deutsche Forschungsgemeinschaft einen zweieinhalbmonatigen Studienaufenthalt am British Museum in London, der größten Forschungsstätte der Welt für Systematik, zum Studium von Typen. Umfangreiche Rufsammlungen tätigte er auf seinen zahlreichen Expeditionen in nahe und ferne Länder. Zehn Reisen führten ihn allein nach Jugoslawisch-Mazedonien (1954-1962). Eine Reise ging nach Griechenland (Olymp, 1962). Schließlich beteiligte sich Kasy an 6 großen Expeditionen in den Nahen und Mittleren Osten:
Syrien-Libanon, 1961, mit dem Ehepaar Vartian, Wien; Libanon-Irak-Iran-Afghanistan, 1963, mit dem Ehepaar Vartian; Iran-Westpakistan-Afghanistan, 1965, mit dem Ehepaar Vartian;
3 Reisen Iran-Türkei, 1970, 1972, 1974, mit Kollegen des Naturhistorischen Museums.
1962 nahm er an der Nubien-Expedition des Naturhistorischen Museums unter der Leitung von Max Beier teil, deren Ziel es war, die Fauna eines Gebietes zu erfassen, das später durch den Stausee von Assuan überschwemmt werden sollte, um sie wenigstens in musealer Form zu erhalten. Andere Reisen führten auf die Kanarischen Inseln und Madeira (1967), nach Marokko (1975) und Russisch-Armenien (1976). Fast überflüssig zu erwähnen, daß Kasy auch laufend auf heimatlichem Boden unterwegs war, besonders im östlichen Österreich. Hier machte er die Erhaltung von unersetzlichen, aber vom Menschen bedrohten Lebensräumen mit ihrem Artenreichtum zu seiner Hauptaufgabe. Dieser widmete er nicht nur ungemein viel Zeit und Mühe, sondern opferte dafür auch bedeutende finanzielle Beiträge für Grundankäufe, so allein für das Projekt "Zitzmannsdorfer Wiesen" bisher etwa 10 Monatsgehälter, obwohl er keine Nebeneinkünfte hat. So wertvolle und über die Grenzen Österreichs hinaus bedeutende Schutzgebiete wie die Hundsheimer Berge bei Deutsch-Altenburg, Glaslauterriegel-Heferlberg bei Pfaffstätten, Fischawiesen bei Gramatneusiedl und Teile der Zitzmannsdorfer Wiesen am Neusiedlersee, um nur die wichtigsten zu nennen, sind im wesentlichen auf die Bemühungen und die Opferbereitschaft Kasys zurückzuführen. Kasy ist Ehrenmitglied im Burgenländischen Naturschutzbund, Sachverständiger in Angelegenheiten des Naturschutzes beim Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, er war Vorstandsmitglied im Niederösterreichischen Naturschutzbund und ist Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates und damit auch Vorstandsmitglied beim WWF/Österreich. Für seine Naturschutzarbeit erhielt er mehrere Auszeichnungen und Anerkennungen: Vom Österreichischen Naturschutzbund die Paul-Tratz-Medaille in Silber, vom WWF-International einen "Award for Conservation Merit", vom Bundespräsidenten das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich und vom Land Niederösterreich einen Josef-Schöffel-Preis. Die beiden letzteren Auszeichnungen schickte Kasy als Beitrag im Kampf um die Donau-Auen bei Hainburg wieder zurück.
Die Schmetterlingssammlung erfuhr unter Kasys Leitung wesentliche Bereicherungen. Da sind zunächst seine eigenen bedeutenden Ausbeuten zu nennen, bei denen es sich überwiegend um Kleinschmetterlinge handelt. Ferner gelangten mehrere wichtige Privatsammlungen ins Museum, wie z. B. die Sammlungen von R. Pinker, Oskar Lenek, Auer von Welsbach und Hans Gratsch. Die Sammlungen wurden geordnet, große Teile nach modernen Gesichtspunkten neu aufgestellt, die mikroskopischen Präparate (Genitalpräparate) karteimäßig erfaßt und viele Forschungsgäste fachmännisch betreut, die ihrerseits vielfach wertvolle Arbeit für die Sammlung leisteten. Kasy mußte sich immer wieder mit den schwierigen Raumproblemen auseinandersetzen, da der Platz zum Unterbringen der umfangreichen Bestände längst zu klein geworden war.
Kasy war auch eifrig auf dem Sektor der Öffentlichkeitsarbeit tätig. Er widmete sich seit 1972 ausgiebig dem Referat für Naturschutz und entwickelte dabei die oben beschriebenen Aktivitäten. Er profilierte sich darüber hinaus als beliebter und erfahrener Vortragender. Er hielt nicht nur vielbesuchte Führungen und Vorträge im Naturhistorischen Museum, sondern stellte sich auch immer wieder bei Vereinen, Volkshochschulen und mehrfach in den Bundesländern als Referatsredner zur Verfügung. Häufig veranstaltete er Führungen in österreichische Naturschutzgebiete für in- und ausländische Gäste.
Kasy übte mehrere wissenschaftliche Funktionen aus, und zwar außer den schon genannten im Naturschutz, folgende: Er ist Mitglied des "Board of current literature" bei der Societas Europaea Lepidopterologica, Mitglied des Redaktionsbeirates bei der Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Entomologen, und Mitglied der UNESCO-Kommission für das Biosphärenreservat Neusiedlersee.
Es wurden die hervorragenden wissenschaftlichen Leistungen wiederholt gewürdigt: 1964 erhielt Kasy einen Preis des Theodor-Körner-Stiftungsfonds für das Projekt "Kleinschmetterlinge in Ost-Österreich", 1965 einen Preis des Landes Niederösterreich für Wissenschaft im Dienste des Landes Niederösterreich für besondere Leistungen auf dem Gebiete der Microlepidopterologie. Das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung beförderte ihn am 1. Juli 1971 zum Wissenschaftlichen Oberrat und damit in die VII. Dienstklasse.
In den letzten Jahren hat Kasy Nationalparke und ähnliche hervorragende Naturlandschaften in Europa und Afrika besucht, insbesondere in Ungarn, Polen, Rumänien, Kenya und Tanzania. Seine nächste Reise wird ihn auf die Galapagos-Inseln führen.
Kasy ist allen seinen Kollegen im Naturhistorischen Museum ein aufrichtiger und jederzeit hilfsbereiter Kamerad gewesen. Nicht zuletzt aus diesem Grunde durfte er sich größter Beliebtheit bei uns allen erfreuen. Wir wünschen ihm noch viel Glück, reichliche Erfolge und die Vollendung seiner Pläne in der Zukunft!
Auszug aus Fischer Maximilian, 1986: Oberrat Dr. Friedrich Kasy zum 65. Geburtstag. - Ann.Naturhist.Mus.Wien 88/89 B: 397-404.


Leiter d. Lepidopterensammlung am Naturhist. Mus. in Wien;
1952 - 1956 anfangs Student später Wissenschaftler am Inst. Forstentomol. Forstschutz Univ. Bodenkultur Wien (KURIR 1978).
IMB, R., 1990: Z. Arb-gem. Öst. Ent. 42: 125.
FISCHER M., 1991: Oberrat Dr. Friedrich Kasy zum Gedenken. - Ann. naturh. Mus. Wien, 92(B): 289-290.
geb. 25.9.1920 Wien, gest. am 4.2.1990 in Wien im 70. Lebensjahr. Lepidopterologe; er war Leiter der Lepidopteren-Sammlung der 2. Zoologischen Abteilung (Abteilung für Entomologie) am Naturhistorischen Museum in Wien; durch seine Aktivitäten als Na-turschützer wurden mehrere Naturschutzgebiete erschaffen und von ihm betreut.
110 Veröff. (1953-1989)
FISCHER, M. 1991: Oberrat Dr. Friedrich Kasy zum Gedenken. - Ann. Naturhist. Mus. Wien 92: 289-290 (mit Porträt und Ergänzungsangaben zur Publikationsliste mit Veröff. bis 1985)


Zeitschrift der Wiener Entomologischen Gesellschaft 38. Jahrgang, 1953, 2
Promotion.
Unser Mitglied, Herr Ing. Friedrich Kasy, wurde nach abgeschlossenem Zoologiestudium am 11. Februar 1953 zum Doktor der Philosophi promoviert und ist seither am biologischen Institut der Hochschule für Bodenkultur tätig. Die Leitung der Wiener Entomologischen Gesellschaft beglückwünscht Herrn Dr. Ing. Kasy zu diesem mit Beharrlichkeit erreichten Erfolg.

Imb Richard (1990): In memoriam Dr. Fritz Kasy. - Zeitschrift der Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Entomologen 42: 125.

65. Geburtstag Dr. Friedrich Kasy (aus Annalen Naturhistorisches Museum Wien, 1986)
Nachruf Dr. Friedrich Kasy (aus Annalen Naturhistorisches Museum Wien, 1991)
Biographie Friedrich Kasy (Austriaforum)
Todesanzeige Friedrich Kasy (aus Natur & Land Bd. 76)
Kurzdaten Friedrich Kasy (aus Die hauptamtlichen Museumsbeamten Österreichs im wissenschaftlichen Dienst, Stand 1981)

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