Fritz Hoffmann geb. 1873

Fritz Hoffmann

* 8.2.1873 Brünn
† 15.10.1945 Graz

Fritz Hoffmann

# Entomologie;
Kontorist und Buchhalter, geb. 8.2.1873 in Brünn, gest.15.10.1945 in Graz im 73. Lebensjahre.
Tiergruppe: Lepidoptera
Biographie zusammengefasst in KREISSL, FRANTZ & GEPP 2002. Nekrologe und Literatur: HOFFMANN, F. 1912; - MEIXNER, A. 1953, 1963.
geb. 8.2.1873 in Brünn, gest. 15.10.1945 in Graz. Lernte er die Gärtnerei, absolvierte die Handelsschule und war 1892 bis 1896 erst Praktikant, dann Kontorist in Brünn und bei Iglau in Mähren. 1897 kam er nach Krieglach im Mürztal und war hier mit einer kurzen Unterbrechung bis 1917 Buchhalter bei der Baufirma Anton Habersack, an-schließend bis 1919 Betriebsleiter in einer Holzschleiferei in Wildon. Mitarbeit bei der Literaturübersicht über die Faunistische Literatur der Steiermark zu Anfang des 20. Jh. (erwähnt von MEIXNER 1953).
Die tristen Wirtschaftsverhältnisse nach dem Ersten Weltkrieg veranlassten Hoffmann sich im Jänner 1920 einer Auswanderungsaktion nach Südbrasilien anzuschließen. Nach schweren Monaten als Handarbeiter fand er eine seinen Fähigkeiten entsprechende Be-schäftigung als Konservator der großen Schmetterlingssammlung eines deutschen Handelsherren in Rio de Janeiro. Für diesen sammelte Hoffmann 8 Monate in den Urwäldern von Espirito Santo.
1923 wanderte er zum zweiten Mal aus, fand im Staate Santa Catherina (Südbrasilien) eine Buchhalterstelle, konnte sich 1925 selbständig machen und einen erfolgreichen Insektenhandel beginnen. 1938 glaubte Hoffmann, wie so viele Auslandsdeutsche, in der Heimat ein sorgenfreies Alter verleben zu können, doch hatte er nach den geltenden Bestimmungen noch keinen Anspruch auf eine Arbeitspension. Rückkehr aus Brasilien am 18. April 1939 (erwähnt von MEIXNER 1953). In Krieglach war dem Tropengewohn-ten das Klima zu rauh, er zog nach Leibnitz und lebte von seinen Ersparnissen. Stets auf Postensuche, fand er gelgentlich für einige Zeit Beschäftigung als Buchhalter in Leib-nitz und Stainach, schließlich 1944 in Windischgraz; doch wurde dort die Partisanenge-fahr immer größer. Den Schrecken des Zusammenbruches im Unterland war Hoffmann nicht gewachsen; aus dem Flüchtlingslager Sterntal kam er in ein Grazer Krankenhaus, wo er verschied.
Erwähnt von MEIXNER 1963 als Mitglied der Fachgr. Ent. Naturwiss. Ver. Steiermark (Graz). 153 Veröff. vor allem über Großschmetterlinge, hauptsächlich auf Basis von Sammelfahrten in das steirische Mürztal, aber auch Abhandlungen über die brasiliani-sche Fauna. 1916 gründete Hoffmann die "Zeitschrift des Österreichischen Entomolo-gen - Vereines" in Wien, deren Schriftleiter er bis 1918 war.
Mitglied des Österr. Ent. Ver. Wien vor 1900 (?); Porträt im "Fotoalbum Österr. Ent. Ver. Wien" (Archiv H. Malicky, Lunz).
REISSER, H., 1949: Fritz Hoffmann +. - Z. d. Wr. Ent. Ges. 34 (60.): 72.
Von HOFFMANN 1912 als früher Lepidopterologe der Steiermark erwähnt.



Veröffentlichte in Zusammenarbeit mit Loebel Friedrich eine Reihe wichtiger Beiträge zur Landesfauna von Kindberg im Mürztal (Steiermark).
LINDENBAUER; M., 1945: Neptis aceris Lepech. - Ztschr. Wr. Ent. Ges., 34: 72.
??, 1960: Friedrich Loebel. - Z. d. Wr. Ent. Ges. 45 (71): 160.


Fritz HOFFMANN hat sich als einer der eifrigsten Lepidopterologen unter den steirischen Faunisten einen besonderen Namen gemacht. Es ist im gegebenen Rahmen nicht möglich, auf den Lebenslauf und vor allem auf seine entomologischen Leistungen näher einzugehen - dies muss einem späteren Nachruf vorbehalten bleiben. Über HOFFMANNs unruhiges Leben sei hier nur so viel erwähnt, dass ihn die drückenden wirtschaftlichen Verhältnisse nach dem Ersten Weltkrieg zu einer Auswanderung nach Brasilien veranlassten. 1921 kehrte er in die Steiermark zurück, wanderte jedoch 1923 ein zweites Mal wieder nach Brasilien aus, wo er zunächst als Buchhalter tätig war. 1925 konnte er sich selbständig machen und betrieb eine entomologische Firma. 1938 kehrte er abermals nach Österreich zurück, doch konnte er hier beruflich nur mehr vorübergehend Fuß fassen; er lebte zunächst in Krieglach, dann in Leibnitz, einige Zeit auch in Stainach und schließlich, 1944, in Windischgrätz. Von dort kam er in ein Flüchtlingslager und schließlich in ein Grazer Krankenhaus, das er nicht mehr verlassen sollte.
Das Hauptwerk F. HOFFMANNs ist sein gemeinsam mit R. KLOS verfasstes Werk "Die Schmetterlinge Steiermarks" (7 Teile 1914-1923). Über seine vielen Veröffentlichungen, die in den verschiedensten Fachzeitschriften erschienen sind, gibt es leider bis heute weder ein Verzeichnis noch eine karteimäßige Erfassung. An der Erstellung einer solchen Übersicht arbeitete bereits Dr. A. MEIXNER, doch konnte er dieses Vorhaben nicht zu Ende führen und die Unterlagen sind verschollen. Für die landeskundliche Bestandsaufnahme wäre es jedoch sehr wesentlich, wenn HOFFMANNs Veröffentlichungen so gut wie möglich erfasst würden und damit auch für die weitere lepidopterologische Erforschung der Steiermark als eine wichtige Unterlage zur Verfügung stünden.
Literatur: HOFFMANN, F. 1912; MEIXNER, A. 1953, 1963.


Fritz Hoffmann (*08.02.1873 in Brünn +15.10.1945 in Graz)
Kontorist, lebte lange Jahre als Buchhalter und Betreiber einer entomologischen Firma in Brasilien, bevor er 1938 nach Österreich zurückkehrte, sammelte besonders Lepidoptera der Steiermark. Zahlreiche Publikationen, darunter auch zwei über Schwalbenwanzen in seiner Wohnung in Krieglach.
aus Rabitsch, 2006, - Denisia 19, Linz


Zeitschrift des Österreichischen Entomologen-Vereines, 5. Jahrgang, 1920, 64
Fritz Hoffmann, der erste Redakteur unseres Blattes, hatte, wie erinnerlich, im Jänner dieses Jahres seine Heimat (Steiermark) verlassen, um sein Glück im fernen Brasilien zu finden. Fünf volle Monate blieben seine Freunde ohne Nachricht. Die dunkle Ahnung, es wäre in der neuen Heimat nicht alles so ganz glatt gegangen, fand leider ihre Bestätigung. Wie tausend andere, die als Kolonisatoren drüben eine neue Existenz gründen wollten, ist auch Hoffmann an der Härte der Tatsachen gescheitert. Mit der Kolonie war es nichts. Bar alles Mittel mußte er mit seiner Hände Arbeit das Dasein in den folgenden Wochen fristen. Im bunten Würfelspiel des Schicksals sehen wir ihn als Gärtner, als Fabriksarbeiter, Kellner, Guitarrenspieler. Sein Sohn flüchtet im Mai aus der ungastlichen Fremde in die immerhin noch gastlichere alte Heimat. Mitte Mai endlich führt ein Zufall Hoffmann aus dem Hexenkessel heraus und damit zugleich zur erfolgreichsten Seite seiner Fähigkeit und Tätigkeit zurück, zur Entomologie. Ein reicher Handelsherr in Rio de Janeiro, der eine große Sammlung südamerikanischer Falter besitzt, bestellt ihn unter sehr günstigen Bedingungen zum Konservator und Sammler. Schon im September geht Hoffmann als Sammler ins Innere des Landes. Wünschen wir ihm ein herzlich Glückauf; möge er, der scharfe Beobachter, scharfsinnige Denker und zähe Arbeiter auch in der Ferne den Ideen unserer Wissenschaft treu bleiben!
Seine Anschrift: Rio de Janeiro, Brasilien. Rua do Auvidor 102.


Zeitschrift des Österreichischen Entomologen-Vereines 6. Jahrgang, 1921, 38, Hoffmann
Meinen entomologischen Freunden zur Nachricht, daß ich dieser Tage aus Brasilien zurückgekehrt bin. Das Schicksal jedes mittellos landenden Auswanderers wurde mir zuteil. Als Gärtner, Fabriksarbeiter, Kellner und Guitarrenspieler fristete ich mein Leben und erhielt nach fünf Monaten unsäglichen Elends eine Stelle als Sammler bei einem deutschen Handelsherrn in Rio de Janeiro, dem Besitzer der Wohl größten Schmetterlingsammlung Südamerikas. Man sandte mich in die Urwälder Espirito Santos, wo ich bei deutschen Kolonisten (Hessen und Pommern) Wohnung nahm. Diese Gegend liegt an einem Nebenfluß des Rio doce, unweit des Territoriums der wild lebendenIndianer (Botokuden) und liegt unterm 20. Breitengrad s. B. Das Klima ist tropisch (im Sommer, d. i. vom November bis Februar, beträgt die Temperatur nachmittags meist 36-38°C. im Schatten und 58-62°C. in der Sonne). Tagfang, Lich- und Köderfang (Bananen) lieferte eine reiche Ausbeute an Lepidopteren und allen Vertretern anderer Insektenordnungen, welche mit Ausnahme von Kleinschmetterlingen sämtlich in den Besitz oberwähmen Sammlers übergingen. Dessen Anschrift lautet: Julius Arp, Rio de Janeiro, Rua do Ouvidor 102, Brasilien. Die Kleinschmetterlinge gelangten in den Besitz des Naturhistorischen Museums in Wien.
Fritz Hoffmann, gew. Redakteur der Zeitschrift des Österr. Entomol.-Vereines in Wien,
dzt. Buchhalter in Kainach bei Voitsberg, Steiermark.

Lebenslauf Fritz Hoffmann aus: Zeitschrift der Wiener Entomologischen Gesellschaft 50. Jahrgang, 1965, 180
Die historische Portraitsammlung der Lepidoptera-Sammlung im Naturhistorischen Museum Wien - Vom Standesportrait bis zum "Entomologen-Selfie" des 19. Jahrhunderts (aus Quadrifinia 12, p. 117)
Erich Martin Herings privates Photoalbum von Blattminenexperten (aus Quadrifinia 14)
Wanzenkunde in Österreich (aus Denisia 19)

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