Carl Attems

Graf Hofrat Dr. phil. Carl [Karl] August Attems-Petzenstein

* 13.10.1868 Villa Leechwald b. Graz
† 19.4.1952

Graf Hofrat Dr. phil. Carl [Karl] August Attems-Petzenstein

# Entomologie, Myriapodenspezialist; Ornithologie;

Am 13. Oktober 1868 wurde in der Villa Leechwald bei Graz Carl Graf Attems-Petzenstein geboren. Sein Vater, Heinrich Graf Attems-Petzenstein, war Offizier der österreichischen Armee gewesen. 1866 im Krieg gegen Preußen schwer verletzt, wurde er in der Folge pensioniert und beschäftigte sich bis zu seinem Tod 1909 intensiv mit naturwissenschaftlichen und landwirtschaftlichen, aber auch mit sozialen Problemen. Sein Hauptinteressengebiet war die Obstzucht. Er konnte schon früh in Carl ein starkes naturwissenschaftliches Interesse wecken, das später dessen ganzes Leben prägen sollte (STROUHAL 1961). Die Mutter entstammte einer angesehenen Hamburger Großhändlerfamilie. Attems, ein ausgesprochen schlechter Schüler, besuchte das k.k. Staatsgymnasium in Graz, wo er 1886 maturierte. Er studierte zuerst Recht und Rechtsgeschichte und konnte bereits 1891, obwohl er als Einjährig-Freiwilliger beim k.k. Dragoner-Regiment "Nikolaus I. Kaiser von Russland" gedient hatte, mit Erfolg seine juridischen Studien abschließen. Nach der Promotion zum Dr. juris stieg er nicht in das Berufsleben ein, sondern wandte sich seinen eigentlichen Neigungen zu und begann, Zoologie zu studieren. Er inskribierte vorerst in Bonn, setzte 1892 sein Studium in Wien fort und konnte es 1894 mit einer Dissertation über "Die Copulationsfüße der Polydesmiden" beenden. 1895 war bereits sein Werk "Die Myriopoden Steiermarks" erschienen. 1897 nahm er die Stelle eines Assistenten am Zoologischen Institut in Wien an. Das erste Halbjahr 1898 verbrachte er auf der zoologischen Station in Neapel. 1900 besuchte er Griechenland und veröffentlichte 1902 "Myriopoden von Kreta .....". 1903 befasste er sich als außerordentlicher Hörer an der BOKU Wien mit Landwirtschaft und Tierzucht.
Attems war bereits seit 1894 häufiger Gast in der Myriapodensammlung des Wiener Hofmuseums, aber erst 1905 erfolgte mit der Ernennung zum Assistenten eine Anstellung an der Zoologischen Abteilung des Hofmuseums. Er war dem Kustos der Crustaceen-, Arachniden- und Myriapodensammlung, Arnold Penther, unterstellt. Attems unternahm einige Sammelreisen: Im Frühjahr 1906 erfolgte zusammen mit Kustos Viktor Apfelbeck vom Landesmuseum in Sarajewo eine vom NATURWISSENSCHAFTLICHEN ORIENTVEREIN subventionierte Reise nach Mazedonien (ATTEMS 1907), im Herbst 1907 bereiste er in Begleitung von F. Dobiasch (Zengg) das Velebitgebirge (Kroatien), von September bis Oktober 1908 Novi, Bihac und die Plitvicer Seen (Kroatien) und schließlich im Herbst 1909 Gottschee (Slowenien) und Südkroatien. Nach 1909 war seine Sammeltätigkeit im Wesentlichen zu Ende. In der Folge beschäftigte er sich mit der systematischen Auswertung seiner und vor allem zahlreicher anderer Sammlungen. Es wurde ihm nicht nur Material anderer Museen (Göteborg, London, Hamburg, Berlin, Frankfurt, Amsterdam, Leiden, Brüssel, Tervuren, Paris, Basel, Calcutta, Buitenzorg, Kapstadt) zur Bearbeitung übersandt, sondern auch die Myriapoden-Ausbeute vieler Expeditionen, Reisender und Sammler überlassen. "Es gibt, glaube ich, kaum einen Erdteil, dessen Myriapodenfauna Graf Attems nicht studiert hat" (DERTEVELLE 1952).
Nachdem 1910 Emil von Marenzeller in den Ruhestand getreten war, übernahm Attems im Frühjahr desselben Jahres die Stelle eines Kustos der Evertebrata-Varia-Sammlung, vorerst allerdings noch immer im Rang eines Assistenten. Sein Aufenthalt an der zoologischen Station Roscoff an der bretonischen Küste in den Sommermonaten 1911, finanziert aus Geldmitteln des Reisefonds des Museums, diente gemäß seiner neuen Funktion dem Studium mariner Tiere, insbesondere der Polychaeten, entsprach aber nicht Attems eigentlichen wissenschaftlichen Ambitionen, nämlich dem Studium der Myriapoden. In den folgenden Jahren bis zur Einberufung zum Kriegsdienst im Frühjahr 1915 kam Attems seinen Pflichten als Kustos nach, indem er 1911 die Neuaufstellung der Polychaeten-, 1912 die der Coelenteratensammlung vorgenommen hatte und 1913 an Vorbereitungen zur Wiener Adria- Ausstellung in der Rotunde beteiligt war. Wissenschaftlich bearbeitete er auch in dieser Zeit ausschließlich Myriapoden. 1919 wurde er zum Kustos II. Klasse, 1921 zum Kustos I. Klasse ernannt. Die wirtschaftliche Notlage in den 30er Jahren hatte einen "Beamtenabbau" zur Folge, auch Attems wurde aus diesem Grund vorerst beurlaubt, 1933 vom Dienst enthoben und 1938 pensioniert. Seine Frau Emma, geborene von Montbach, mit der er seit 1911 verheiratet war, war als eine ausgezeichnete Porträtmalerin (siehe Abb. 2) bekannt. Er konnte sich, befreit von jeder administrativen Tätigkeit, uneingeschränkt dem Studium der Myriapoden widmen und arbeitete über 18 Jahre lang bis zu seinem Tod am 19. April 1952 täglich mehrere Stunden in der Myriapoden-Sammlung des Museums (STROUHAL 1961).
Von seinen 138 Publikationen befassen sich nur vier nicht mit Myriapoden. 1891, noch während seines Zoologiestudiums, veröffentlichte er einen Beitrag über die Vogelwelt von Graz, 1897 publizierte er seine Untersuchungen an rhabdocoelen Turbellarien, die er 1894 an der biologischen Station in Helgoland durchgeführt hatte, 1902 folgte eine anatomische und histologische Beschreibung von Scololepis (Polychaeten) und 1924 eine kurze Abhandlung über Wurmparasiten des Menschen.
Grundlegende Werke wurden von Attems verfasst, in KÜKENTHALs Handbuch der Zoologie (1926-1930) der Beitrag über Myriapoden, sowie Myriapoden-Monographien, die u. a. im "Tierreich" (1929, 1930, 1937, 1938, 1940) erschienen sind. Attems hat unzählige neue Familien, Gattungen, Untergattungen, Arten (1944 waren es bereits 1.500!), Unterarten und Varietäten beschrieben, die alle im Anhang des Nachrufes von STROUHAL (1961) aufgelistet sind. Viele seiner Neubeschreibungen sind natürlich heute aus der Sicht der modernen Systematik äußerst problematisch, viele seiner Erstbeschreibungen sind als Synonyme erkannt worden, doch tut dies der Gesamtheit seiner gewaltigen Leistung keinen Abbruch. Er, der unermüdlich mit Myriapoden beschäftigt war, gilt unbestritten als einer der größten Myriapodenspezialisten aller Zeiten. Er war, wie STROUHAL (1957) anführt, ein durch zahlreiche Publikationen in Fachkreisen aller Erdteile bekannter Forscher, der dadurch auch zum Ansehen des Museums und zum Ruhme der österreichischen Wissenschaft viel beigetragen hat. (aus Denisia 8, 2003: p. 169-171).



Attems Carl, Reichsgraf von
geb. 13.10.1868 in Graz, gest. 19.4.1952 in Wien im 84. Lebensjahr. Abs. jur. und Dr. phil., HR. - 1886-1891 das Studium der Rechte und der Rechtsgeschichte in Graz. Im 6. Semester seines Jusstudiums belegte er außerdem Botanik und Zoologie. Von seinem für die Natur so begeisterten Vater bekam er die erste Anregung und Neigung zur Naturwissenschaft, so daß er nach seinem juristischen Studium 1891 an der Universität Bonn Zoologie inskribierte. Nach Österreich zurück 1892 an die Wiener Universität, wo er 1894 mit dem Rigorosum ab-schloß. Die Dissertation behandelte "Die Copulationsfüße der Polydesmiden". Anfangs galt sein Interesse der Vogelwelt und den Strudelwürmern, beschäftigte sich aber seit 1894 vornehmlich mit den Myriopoden. 1897 Assistent am zoologisch-vergleichend anatomischen Inst. der Universität Wien, 1898 Aufenthalt an der zoologischen Station in Neapel (Sizilien- und Tunisreisen.), 1900 zoologische Studienreisen nach Kap Matapan (Süd-Peloponnes) und den benachbarten Inseln, 1903 als außerordentlicher Hörer an der Wiener Hochschule für Bodenkultur, 1905 Ernennung zum Assistenten an der zoologischen Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien, 1906 unternahm er zusammen mit Viktor Apfelbeck eine Reise in das Gebiet des Schar Dagh, 1907 bereist er mit F. Dobiach das Velevitgebirge, 1908 suchte er Novi, Bihac und die Plitvicer Seen auf und 1909 Gottschee und Südkroatien. 1912 wurde er Kustos-Adjunkt, 1919 Kustos II Klasse und 1921 Kustos I Klasse, 1924 bekam er den Titel Regierungsrat verliehen, 1932 aufgrund der wirtschaftlichen Notlage beurlaubt und 1937 Ruhestand, 1946 wurde ihm der Titel HR verliehen.
138 Publ. (1891-1959), hauptsächlich über Myriapoda, 6 Publ. erschienen noch nach seinem Tod.
STROUHAL 1961: 1-38; -- Veröffentlichungen von ATTEMS 1891-1949 (mit Porträt und Publikationen). -- Erwähnung: SCHALLER 2002 (als Bodenarthropoden-Kundler Österreichs, mit Porträt), THALER & GRUBER 2002 (betreffend Arachnologie in Österreich), STAGL 2002 (als Myriapoden-Kundler Österreichs,mit Porträt, Abb. 2 und 14 Zitate betreffend Myriapoden aus den Jahren 1891-1940). -- Biogr: HABLE 2002, KREISSL, FRANTZ & GEPP 2002.


ATTEMS Carl von
Graf, Abs. jur. und Dr. phil., Hofrat, *13.10.1868 in Graz, + 19.4.1952 in Wien im 84. Lebensjahr. (Textbearbeitung: FRANTZ), siehe auch Kapitel: "Verstorbene Ornithologen der Steiermark".

Tiergruppe: Myriapoda

Es ist wenig bekannt, daß Hofrat Dr. Carl Graf v. ATTEMS-PETZENSTEIN, der als Myriopoden-Forscher Weltgeltung erlangte, ein gebürtiger Grazer war, der hier auch die Schule besuchte und anschließend Jus studierte. Schon in dieser Zeit hatte Graf ATTEMS als außerordentlicher Hörer auch zoologische Vorlesungen an der Grazer Universität und der Technischen Hochschule besucht und an Übungen teilgenommen. Nach Abschluß seines Jus-Studiums mit Ablegung der Staatsprüfung ging ATTEMS 1891 nach Bonn. Dort begann er mit dem regelrechten Zoologie-Studium. Am 21.7.1894 wurde er zum Dr. phil. promoviert.

1897 wurde ATTEMS Assistent am zoologisch-vergleichenden anatomischen Institut der Universität Wien. Nach mehr als 8 Jahren Wartezeit wurde er 1905 am Naturhistorischen Museum Wien angestellt, 1919 zum Kustos II. Klasse, 1921 zum Kustos I. Klasse und 1946 zum Hofrat ernannt. Am Naturhistorischen Museum Wien wirkte er beruflich bis 1933, doch kam er auch im Ruhestand noch täglich in das Museum, um seine Forschungen fortzusetzen.

Faunistische Leistungen: Bereits 1891 erschien eine erste wissenschaftliche Arbeit von ATTEMS, mit, was gleichfalls wenig bekannt ist, vogelkundlichem Inhalt (Zur Ornis von Graz, Ornith. Jb. Hallein, vol.2:151-163). Schon wenige Jahre später, 1894, konnte ATTEMS die Ergebnisse seiner Untersuchungen über die von ihm in der Steiermark festgestellten Tausendfüßer-Arten veröffentlichen. Diese Arbeit ist bis heute die Grundlage für alle weiteren landeskundlichen Forschungen auf diesem Gebiet geblieben. Durch ihn erfolgte auch die Durchsicht und Neubestimmung des Myriopodenmaterials in der Museumsabteilung.

Literatur: Nachruf: STROUHAL 1961:1-38; Veröffentlichungen von ATTEMS 1891-1949.

Nachruf Dr. Carl Graf Attems (aus Annalen Naturhistorisches Museum Wien, 1961)
Myriapodenforschung in Österreich, Stand 2003 (aus Denisia, Bd. 8)
Datenblatt Carl von Attems-Petzenstein (aus Wikipedia, Stand November 2012)

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