von links nach rechts: Heinz Wiesbauer, Esther Ockermüller, Andreas W. Ebmer, Herbert Zettel, Paolo Rosa und Liuba Rosa.
amHundsheimer Kogel (NÖ)

wiss. Kons.P. Andreas Werner Ebmer

* 8.5.1941 Linz/Urfahr

wiss. Kons.P. Andreas Werner Ebmer

Pater Andreas Werner EBMER wurde am 8.5.1941 in Linz/Urfahr geboren. Nach humanistischer Schulausbildung maturierte er 1959 am Stiftsgymnasium Wilhering. Als 14-jähriger Mittelschüler begann er, wie die meisten Entomologen auch, mit dem Sammeln von Schmetterlingen. Obwohl damals der Kontakt mit der Entomologischen Arbeitsgemeinschaft am Oberösterreichischen Landesmuseum seitens der Eltern nicht erlaubt wurde, sie befürchteten einen Leistungsschwund des schon damals insektenbegeisterten Sohnes, führten familiäre Freundschaften zum Hymenopterologen Franz KOLLER zur Erweiterung und Vertiefung entomologischen Wissens. 1959 trat EBMER in das Zisterzienserstift Wilhering ein und studierte zwischen 1960 und 1965 Theologie an der Universität Innsbruck. Nach Jahren als Kaplan in Bad Leonfelden und Gramastetten leitet er seit 1969 die Pfarrgemeinde Linz-Puchenau. In seiner Studienzeit erkannte er einerseits den hohen Durchforschungsgrad heimischer Tagfalter, andererseits wurde er durch die Arbeit HAMANNs und KOLLERs "Die Wildbienen der Linzer Umgebung und ihre Flugpflanzen" (1956) auf die mangelnde Bearbeitung der Bienengroßgattung Halictus s. 1. aufmerksam. Der familiäre Freund KOLLER stellte daraufhin den Kontakt zu H.H.F. HAMANN, dem damaligen Leiter der musealen Insektensammlung am Oberösterreichischen Landesmuseum, her, der ihn mit Prof. H. PRIESNER zusammenbrachte. Dieser stand EBMER in der Einarbeitungszeit mit fachlichem Rat zur Seite und vermittelte zu Dr. Paul BLÜTHGEN (Halle-Saale), dem damals einzigen Halictus-Spezialisten der Westpaläarktis. In der Folge arbeitete sich EBMER akribisch in diverse Gattungen der Unterfamilie Halictinae ein, wobei ihm auch andere Gattungen nicht fremd sind, wie seine publizierten Beiträge zur Kenntnis der Bienenfauna Österreichs belegen. Ausgedehnte Auslandsreisen, oftmals mit Linzer Kollegen, nach Istrien (1966), Wallis und Tessin (1967), Dalmatien bis Kotor (1968, 1973), Istrien (1969, 1972), Jugoslawien, Insel Cres und Losinj (1971), Griechenland, Chelmos und Olymp (1974), Marokko, Mittlerer-, Hoher- und Sahara-Atlas (1975), Griechenland, Chelmos, Killini-Oros, Taygetos (1976), Iran, Elburs, Kopet Dag (1977), Spanien, Sierra de Guadarrama, Pyrenäen, Südfrankreich, See-Alpen (1978), Tunesien, von Jendouba bis Nefta (1979), Gebirge Kretas, Schweiz Engadin (1980), Griechenland, Chelmos, Erymanthos, Parnaß, Giona, Südtirol-Schweizer-Grenzgebiet (1981), Spanien, Sierra Nevada, Sierra de Guadarrama (1982), Griechenland, Timfi-Astraka, Parnaß, Timfistos, Vermion, Pangäon (1983), Zentral- und Osttürkei (1984), Rhodos, Korsika (1985), Zentral- und Osttürkei (1986), Cypern (1987), Nordspanien, Sierra de Guadarrama, Picos de Europa, Sierra de la Demanda, Pyrenäen (1988), Nordgriechenland, Florina, Pentalofos, Timfi, Pilion, Pangäon, Falakron (1989), Ephesos bis zum Nemrut-Dag am Euphrat (1990), Peloponnes, Menalon, Parnon, Taygetos, Erymanthos, Chelmos (1991), Negev, Nordgriechenland, Makedonien/Olymp, Vermion, Falakro, Pangäon, Rodopen, Sapes in Thrakien (1992), Westkreta (1993), Samos (1994, 1997, 1999, 2000), Kefalonia (1995), NW-Griechenland: Nationalpark Pindos, Gamila, N Smolikas, Voio, Varnous, Kaimaktsalan, Varnous, Voio, Smolaikas, Gamila, Mavrouni, Vermion (1996), NW-Griechenland: Kaimaktsalan, Varnous, Voio, Smolaikas, Gamila, Mavrouni, Vermion (1997), Mittelgriechenland: Timfristos, Panaitoliko, Parnass, Umg. Metsovon (1998), Süd-Spanien, Sierra Nevada (1999), Ost-Kreta (2001), Kreta Mitte und West ausgehend vom Stützpunkt El Greco (2002) sorgten für den Aufbau einer umfangreichen Spezialsammlung. Besonders hervorzuheben ist die Vorliebe EBMERs in höheren Lagen zu sammeln. Konditionell gut trainiert, sind auch abgelegendste Habitate vor seinem Netz nicht sicher. Über 80 einschlägige wissenschaftliche Arbeiten aus der Feder EBMERs behandeln nicht nur die Gattungen Halictus und Lasioglossum im paläarktischen Raum, sondern sind auch verschiedenen anderen Bienengattungen der Unterfamilie Halictinae monographisch gewidmet. Insbesondere die Bearbeitung der Gattungen Dufourea und Rophites müssen in diesem Zusammenhang Erwähnung finden. EBMER gilt als hervorragender Hymenopteren-Photograph, dessen Fotos zahlreiche Publikationen stützen. Auch die meisten bienenkundlichen Arbeiten, die ich mit Maximilian SCHWARZ verfasste, wurden mit EBMERs Fotos ergänzt. 1976 wurden die Leistungen EBMERs durch die Ernennung zum Konsulenten für Wissenschaft der Oberösterreichischen Landesregierung gewürdigt, 2005 erhielt er von der DGaaE die Fabricius-Medaille für sein "herausragenden entomologisches Gesamtwerk, insbesondere für seine grundlegenden Beiträge zur Systematik, Zoogeographie und Faunistik der Halictidae" verliehen. EBMER wird von Kollegen freundschaftlich "eiliger Vater" genannt, womit sein stets gestresster Terminplan zum Ausdruck gebracht werden soll. Als Priester und im Schuldienst bleibt ihm oft nicht jenes Pensum Zeit, das er sich für die Bearbeitung seiner geliebten Bienen wünschen würde und dennoch zeichnet ihn Hilfsbereitschaft bei allen entomologischen Anliegen aus. In der Sammlung des Biologiezentrums bemüht er sich um die Determination der umfangreichen Halictidae-Neuzugänge, deren Daten auch mit in seine Publikationen einfließen.
PS: Determinationswünsche nur nach ausdrücklicher vorheriger schriftlicher Anfrage. Unvereinbarte Zusendungen werden nicht angenommen und ungeöffnet zurückgesendet!!!!



Laudatio für Herrn Pfarrer P. Andreas Werner Ebmer
anlässlich der Verleihung der Fabricius-Medaille 2005 der Deutschen Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie (www.dgaae.de), 21. März 2005 in Dresden Von Prof Dr. Holger H. Dathe, Deutsches Entomologisches Institut, Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V Eberswalder Straße 84, D-15374 Müncheberg
Die Fabricius-Medaille der Deutschen Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie 2005 geht an P. Andreas Werner Ebmer, Pfarrer, Religionslehrer und Konsulent für Wissenschaft der Oberösterreichischen Landesregierung in Puchenau bei Linz. Sie wird ihm verliehen in Würdigung seines "herausragenden entomologischen Gesamtwerkes, insbesondere für seine grundlegenden Beiträge zur Systematik, Zoogeographie und Faunistik der Halictidae".
Die Fabricius-Medaille, gestiftet vor gut 60 Jahren von den beiden Dresdener Entomologen Otto Bang-Haas (Blasewitz) und Manfred Koch (Wachwitz) und dem Berliner Adolf Müller, wird laut Satzung "an den Verfasser der besten deutschsprachigen entomologischen Veröffentlichung des Jahres oder an einen besonders verdienten deutschsprachigen Wissenschaftler für sein Gesamtwerk" verliehen. Erster Preisträger war 1942 Adolf Horion, es folgten andere große Namen der Entomologie, darunter Willi Hennig und Hermann Weber, Erich Lindner, Stefan von Küler und Herbert Weidner. Die Fabricius-Medaille darf mit Blick auf ihr Stiftungsalter als die wohl renommierteste deutsche Auszeichnung für Verdienste um die allgemeine Entomologie gelten.
In der Reihe der nunmehr 36 Träger der Auszeichnung ist Pfarrer Ebmer nach Monsignore Adolf Horion der zweite Entomologe geistlichen Standes. Auch von seinem Thema her, den Furchenbienen s. 1. (Halictidae), ist er eine Neuauflage: 1964 wurde Dr. Paul Blüthgen mit der Fabricius-Medaille geehrt, und dieser kann in der Halictiden-Systematik sogar als sein direkter Vorgänger gelten. Es scheint, als ob die Beschäftigung mit den Furchenbienen besonders preishöffig wäre, und wer sich näher mit dieser ganz speziellen Materie beschäftigt hat, hält das nicht für zufällig. Die Halictiden sind in der Tat die Hohe Schule der Apidologie, und Pfarrer Ebmer hat sich über Jahrzehnte als der Meister dieses überaus schwierigen Genres profiliert. Auf ihn trifft die Stiftungsanforderung, einen Wissenschaftler für sein Gesamtwerk zu ehren, bestens zu, wobei es sich nur um ein bisheriges Gesamtwerk handeln kann und weitere Arbeiten unbedingt erwartet werden!
Tatsächlich ist Pfarrer Ebmer die herausragende Autorität in seiner Sparte, und diese Exklusivität hat ihren Grund. Die Gattungen Halictus und insbesondere Lasioglossum sind nicht nur sehr umfangreich und enthalten ganz schwierig zu bestimmende Arten, die Probleme beginnen bereits bei der Abgrenzung beider Genera. Die Situation wird dadurch weiter kompliziert, als eine Anzahl Arten sozial lebt und entsprechende Differenzierungen aufweist, die schon die alten Bearbeiter verwirrt hatten. Andere Arten treten in mehreren Generationen auf, und überdies ist die Gruppe ökologisch so erfolgreich, dass sie bei jeglichen Sammelaktionen die weitaus überwiegende Masse der Fänge ausmacht. Das zusammen macht diese Gruppe so unhandlich, dass man kaum eine andere Wahl hat als die zwischen Aufgeben - oder Rat bei Ebmer holen. Pfarrer Ebmer hat etwas getan, was als beispielhaft gelten darf: Er hat als allererstes seine Karten offen gelegt, er ist mit seinen Bestimmungstabellen öffentlich geworden. In den Jahren 1969 bis 1971 publizierte er "Die Bienen des Genus Halictus s. l. im Großraum von Linz", welcher Großraum sich allerdings im Wesentlichen als auf Mitteleuropa "begrenzt" erwies. Ein großer Wurf, der auch heute noch gern verwendet wird, vor allem wegen seiner mittlerweile legendären Detailfotografien. Die Veröffentlichung dieses grundlegenden Handwerks zeuges hat ihn nicht völlig davor schützen können, dass man ihn von nun an als zentralen Bestimmungsdienstleister missverstand. Der ersten Serie sind weit über 80 Publikationen gefolgt, viele von grundsätzlicher Bedeutung und allgemeinem Wert. Er hat zahlreiche neue Arten erkannt und beschrieben - ohne Synonyme bislang 185 nova species und 41 Unterarten -, aber nicht weniger wichtig war ihm die sorgsame Klärung von Synonymien und sonstigen irritablen Sachverhalten, die nicht eben vordergründig Ruhm erbringen; so hat er von 69 Arten das jeweils andere Geschlecht beschrieben. Sehr genau hat er sich mit geographischen Definitionen auseinander gesetzt oder mit literarischen Gegebenheiten. Seine Recherchen über Datierungen sind dabei ebenso zuverlässig wie die Rekonstruktion der historischen Hintergründe. Erinnert sei an seine Datierung der Nassaufischen Bienen von Adolf Schenck (1999). Die Präzision seiner Aussagen ist gleichsam sein Markenzeichen, seine Erkenntnisse sind von vielen Seiten her belastbar. Auch ich mit meinen Maskenbienen konnte mich häufig und guten Gewissens auf ihn stützen.
Ausgehend von Mitteleuropa hat Pfarrer Ebmer - übrigens ähnlich Blüthgen - sich zunehmend den Osten der Paläarktis erschlossen, hier mit Vorzug die Hochgebirgsregionen. Ihre Lebensnähe haben diese Arbeiten nicht zuletzt durch die eigene umfangreiche Sammeltätigkeit Ebmers erfahren. Erwähnt werden müssen die ertragreichen Sammel-Expeditionen in die Türkei und den Iran, nach Nordafrika, Iberien und auf die Mittelmeerinseln. Planvoll hat er in den Gebirgen des Balkans, vor allem Griechenlands, gesammelt. Seine überaus rege Reisetätigkeit, die immer etwas mit Entomologie zu tun hatte, ist heute gar nicht mehr vollständig zu rekonstruieren - es sei denn aus seinen Etiketten. In Fachkreisen gilt er als der beste Kenner der Gebirge Südeuropas. Hochgebirge sind sein besonderes Thema, und hier fanden sich noch hinreichend weiße Flecken auf der Faunenkarte Mitteleuropas, die er zielstrebig füllen konnte, als Spross einer Bergsteigerfamilie. Ganz systematisch hat er die Alpen besammelt. Seit 1990 bearbeitet er schwerpunktmäßig Kärnten, und davon vorzugsweise die Karawanken und den Nationalpark Hohe Tauern. Die "Hymenopterologischen Notizen aus Österreich" sind ein Durchläufer in seiner Publikationsliste, hinter dem aber sehr viel mehr steckt; so hat er in diesem Rahmen die Bienenfauna Kärntens in vorbildlicher Weise systematisch erschlossen und dargestellt. Es wäre sehr unangemessen, wenn man diese präzisen Untersuchungen lediglich als "faunistische Studien" durchgehen ließe. Das Werk Ebmers, sein in Fachkreisen hoch geschätztes, praktisch unentbehrliches entomologische Werk, ist in Nebentätigkeit entstanden. In der Wissenschaft gilt bekanntlich keine Entschuldigung, aber bei Ebmer sind auch keine Abstriche zu machen, und deshalb wird sein Name hier zu Recht neben den Großen aus der akademischen Szene genannt. Hier ist unbedingt der Hinweis angebracht, dass auch ein Pfarrer nur die freien Stunden nutzen kann, von denen er vermutlich sogar weniger hat als andere Berufe. Oder anders: Um in der Entomologie erfolgreich sein zu können, musste Pfarrer Ebmer auch beruflich erfolgreich sein. In seine Dienstzeit fällt der Neubau einer Kirche und eines Gemeindezentrums, die mit Leben zu erfüllen waren durch eine entsprechend umfangreiche Tätigkeit in der Seelsorge wie in der naturkundlichen Volksbildung. Die Oberösterreichische Landesregierung würdigte 1976 seine Leistungen mit der Ernennung zum Konsulenten für Wissenschaft. Hinter dem umrissenen Werk steht eine gereifte Persönlichkeit, nunmehr im 64. Lebensjahr. Die biographischen Details kann man nachlesen. Besonders empfohlen seien seine gedankenreichen Ausführungen zur "Systematik und Taxonomie der Wildbienen als eine faszinierende entomologische Lebensaufgabe" (1994). Einige der autobiographischen Passagen sind beispielhaft dafür, wie die Heranbildung eines umweltbewussten Nachwuchses gelenkt werden kann, und deshalb hier zu erwähnen. Pfarrer Ebmers entomologische Leidenschaften liegen tief verwurzelt in der Familie. Im elterlichen Garten in Urfahr (nördlicher Stadtteil von Linz) war vom Großvater mütterlicherseits, Karl Wurm, einem der Erschließer und frühen Fotografen des Dachstein-Massivs, ein Alpinum angelegt worden. Von den Eltern gefördert, verband sich mit der Begeisterung für die Berge und ihre Bewohner bald ein spezielles Interesse an alpinen Insekten, insonderheit an Schmetterlingen. Er begann ab 1954 Mohrenfalter, die Gattung Erebia, zu untersuchen, ehe er sich ab 1964/65 den Bienen zuwandte. Dass er als Junge von 14 Jahren nicht einfach drauflos sammelte, verdankt er der sorgsamen Anleitung eines Freundes der Familie, Franz Koller, der ihn auch mit den Entomologen Helmut Hamann und Prof. Dr. Hermann Priesnerin Kontakt brachte. Dieses Linzer "Dreigestirn", das in der Fachwelt einen guten Namen hat, gab durch sein Beispiel die Wegweisung in die Zukunft. Ganz wesentlich war, dass schon der junge Ebmer zum Publizieren angeregt und angeleitet wurde. Daraus haben sich schlussendlich für ihn zahlreiche Kontakte in alle Weltrichtungen ergeben: in die Nearktis zu Gerd Knerer, George Eickwort, Richard Bonart, Terry Griswold und Andrew Moldenke, in den fernen Osten vor allem zu Shoichi Sakagami, mit dem ihn bis zu dessen Tod 1996 eine 25-jährige freundschaftliche und überaus fruchtbare Zusammenarbeit verband. Natürlich gehörte Ebmer von nun an vor allem fest zur europäischen Hymenopterologen-Szene. Ich zögere nicht, das Epizentrum dieser Gemeinschaft in Linz zu verorten. So jedenfalls habe ich es schon von der DDR aus wahrgenommen. Ich kannte aus der Literatur meiner entomologischen Studien seit den mittsechziger Jahren außer Ebmer viele gute Namen aus Linz, darunter Hermann Priesner, Karl Kusdas, Ernst Reichl, Josef Gusenleitner und Max Schwarz.
Es zog mich unglaublich dorthin, denn da wurde die aktuelle Hymenopteren-Biologie gemacht. Ich durfte trotz der Probleme zu reisen daran teilhaben, denn Pfarrer Ebmer war es, der mir sofort eine große Maskenbienen-Kollektion zur Bearbeitung schickte. Ich war damals hauptamtlich als Verhaltensbiologe und nur nebenamtlich entomologisch tätig, aber für Verhaltensforschung gab es einen Austausch zwischen den Akademien der DDR und Österreichs. So kam ich 1980 erstmals nach Wien, und die Rückfahrt verlegte ich natürlich über Linz, genauer über das Pfarrhaus Puchenau. Die Hymenopteren-Leute trafen sich am Vorabend des Linzer Entomologentags im Pfarrhaus, hier war tatsächlich der Mittelpunkt. Damit soll illustrativ belegt werden, in welchem Maße es eine ganz persönliche Leistung von Pfarrer Ebmer gegeben hat, die wesentlich mit zu Erfolg und Ansehen der Linzer Entomologie beitrug. Ich stelle besonders gern fest, lieber Pater Andreas, dass Sie die Auszeichnung unserer Gesellschaft für ein herausragendes entomologisches Gesamtwerk auch hinsichtlich Ihrer sozialen und gewissermaßen logistischen Beiträge zum Gedeihen unserer Wissenschaft verdient haben. Sie gelten als durchaus streitbarer Kirchenmann mit festen Grundsätzen, die auch in fachwissenschaftlichen Fragen nicht leicht zu erschüttern sind. Ihre Kritik ist respektiert bis gefürchtet, aber dahinter steht präzises Wissen, Erfahrung und wohlmeinende Kooperativität. Guten Argumenten haben Sie sich nie verschlossen. Das bedeutet ja vor allem, dass man sich auf Ihre Feststellungen verlassen kann. Mit Ihren Beiträgen hat eine heranwachsende Generation ein solides Fundament erhalten, das sie sich freilich selbst neu erarbeiten muss. Sie haben einmal festgestellt, dass es nicht wenige Jüngere gab, die meinten, nach dem Grundlagenwerk von Paul Westrich (1990) in die Bienen einsteigen zu können. Jene haben oft die Schwierigkeiten der Determination unterschätzt, und wenn es den jungen Leuten an Zähigkeit und Durchhaltevermögen fehlte, sind sie trotz Westrich gescheitert. Ihr persönliches Beispiel hat jedoch geholfen, dass die nachrückende Generation von vornherein in gute Bahnen gelenkt wird und sich selbst von Lasioglossum nicht mehr abschrecken lässt.
Sie werden uns, wie ich sehr hoffe, noch viele Jahre weiter zeigen, was schöpferische Ungeduld ist; wenn Sie sich zum Beispiel mit faunistischen Lücken nicht abfinden und nicht mit verschleiernden Formulierungen; ich zitiere Ebmer im Original (in litt.): "Durch meine faunistischen Arbeiten stoße ich bei der Nachsuche über die Gesamtverbreitung auf große Lücken (zumindest was publiziert ist); im Osten der Türkei und im Ural endet meistens der geistige Horizont, und dann heißt es lapidar bei der Verbreitung, bis weit nach Asien hinein. Es ist aber für die Bewertung einer Art ein gewaltiger Unterschied, ob sie bis zum westlichen Kopet-Dag im Iran (dort die Ostgrenze vieler unserer Arten), bis zum westlichen Altai (dort die Ostgrenze der klassischen westpaläarktischen Arten) geht oder ob eine Art bis Baikalien, in den Norden Chinas, bis zum Pazifik oder bis Hokkaido reicht; da sind Tausende Kilometer Unterschied". So weit also muss man folglich schauen, wenn man sich nach Ebmer den Halictiden zuwendet. Aber noch haben wir ihn zum Glück im Vollbesitz seiner Energie. Die Fabricius-Medaille der Deutschen Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie möge Ihnen ein weiterer glückbringender Ansporn sein für Ihre bahnbrechenden Arbeiten.
Ich möchte Sie dazu mit persönlicher Freude und von Herzen beglückwünschen!
aus Dathe Holger H., 2004/05: Laudatio für Herrn Pfarrer P. Andreas Werner Ebmer. - Stift und Gymnasium Wilhering, 95. Jahresbericht 2004/05: 13-16.

Fabricius-Medaille für Andreas Werner Ebmer
Pfarrhomepage Puchenau Pfarrer Ebmer
Pate Ferdinand Ebmer, des Vaters von Pater Andreas Werner Ebmer
Publikationsverzeichnis Andreas Werner Ebmer, Stand März 2011
Laudatio Andreas Werner Ebmer zum 70er (aus Entomologische Nachrichten und Berichte Bd. 55 (2-3), 2011)
Das entomologische Lebenswerk Pater Andreas Werner Ebmer, Stand November 2011 (aus Linzer biol. Beitr. 43/2)
Autobiografie Andreas Werner Ebmer, Stand Dezember 2011 (aus Linzer biol. Beiträge 43/2)
Fabricius Medaille an Andreas Werner Ebmer (aus Entomologica Austriaca Bd. 14)
Datenblatt Andreas Werner Ebmer (aus Beitr. Naturkunde Oberösterreichs, Bd. 12)
Wildbienen- und Wespenforschung in Oberösterreich, Stand 1987 (aus Kataloge Oberösterreichisches Landesmuseum, Bd. N.F. 10)
Wildbienenforschung in Österreich (aus Kataloge Oberösterreichisches Landesmuseum, Bd. N.F. 10 [2. Auflage] = Katalog des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum Innsbruck)
Fabricius-Medaille an Andreas Werner Ebmer (aus Entomologische Nachrichten und Berichte Bd. 49)
Andreas Ebmer 70 (aus Entomologische Nachrichten und Berichte Bd 55)
Ehrung von Andreas Ebmer durch die Österr. Ges. für Entomofaunistik (aus Beitr. zur Entomofaunistik Bd 14)
Verleihung des Titels "Wissenschaftlicher Konsulent der Oberösterreichischen Landesregierung" (aus Amtliche Linzer Zeitung Folge 52/53, 1976)
Verleihung des Titels "Wissenschaftlicher Konsulent der Oberösterreichischen Landesregierung" (aus Oberösterreichische Nachrichten, 20.12.1976)
Laudatio Andreas Werner Ebmer (aus Mitt. Dtsch. Ges. Allg. Angew. Ent. Heft 15)
Der Wildbienforscher Andreas Werner Ebmer im Nationalpark Hohe Tauern (aus Nationalpark Hohe Tauern - Das Magazin Ausgabe 3/2015)
Zeitungsbeilage mit Bildern von Andreas Ebmer zur Bienen-Wespen-Ausstellung 1987 im Oberösterr. Landesmuseum Linz (Beilage zur "Die Presse", 10.6.1987)
Hymenopterenforschung im Karpatenbecken (aus http://www.smmi.hu/termtud/ns/ns.htm)

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