Erwin Kranzl, Hauptschuldirektor

Hauptschuldirektor i.R. Erwin Kranzl

* 3.2.1883 Steyrermühl
† 23.4.1955

Hauptschuldirektor i.R. Erwin Kranzl

# Entom., Allg. Nat. wiss.;

Erwin Kranzl wurde am 3. Februar 1883 in Steyrermühl geboren, nach Schulzeit in Vöcklabruck und Linz wurde er in Krems zum Lehrer ausgebildet. Als begeisterter Naturfreund beschäftigte er sich mit verschiedenen biologischen Fachrichtungen (Lepidopterologie, Ornithologie usw.) in seinen letzten Lebensjahren als Schulleiter in Hollerberg (Mühlviertel) und in der Pension in Enns dann mit Vorliebe der Biologie einheimischer Bombus- und Psithyrus-Arten. Erwin Kranzl verstarb am 23. April 1955, seine Aufsammlungen fanden Eingang in die von Kusdas (1968) publizierte Hummelfauna Oberösterreichs. Seine Sammlung gelangte nach seinem Tod ans OÖ. Landesmuseurn.



geb. 3.2.1883 in Steyrermühl, gest. 23.4.1955 in Gmunden; Mitarbeiter der Entomologischen Arbeitsgemeinschaft für Oberösterreich. Er war Hauptschuldirektor in Enns und befasste sich hauptsächlich mit der Lepidopterenfauna Oberösterreichs aber auch ande-rer Bundesländer (z.B. Tirol); weitere Insektengruppen: Schmarrheuschrecken, Hum-meln, gewisse Fliegen und Coleopteren. Auf dem Gebiet der Lepidopteren sind ihm wertvolle Funde zu danken, z.B. Tephroclystia irriguate Hb. oder die Wiederentdek-kung der Syntomis phegea L.. Die letzten Jahre seines Lebens beschäftigte er sich mit Hummeln, insbesonders mit Vertretern der oberösterreichischen Bombus-Arten.
4 Veröff. (1926-1955), u.a. über tiroler Falter und Fliegen und Falter aus dem oberen Mühlviertel.
KUSDAS, K., 1955: Erwin Kranzl +. - Z. d. Wr. Ent. Ges. 40: 244-246.


Erwin Kranzl +
Am 3. Februar 1883 als Sohn des Schulrates Karl Kranzl in Steyrermühl geboren, besuchte der schon frühzeitig naturverbundene Knabe vorerst die Volksschule in Timelkam und Vöcklabruck, später die Bürgerschule in Linz und schließlich das Pädagogium in Krems. Nach Absolvierung dieser Anstalt im Jahre 1903 kam er als junger Lehrer nach Vorchdorf, später als Schulleiter auf den Hollerberg und schließlich nach Enns, wo er im Jahre 1948 als Hauptschuldirektor nach langer Dienstzeit in den Ruhestand trat. Damit wären in kurzen Sätzen die wichtigsten Lebensstationen festgehalten, mit einer Ausnahme: 1909 heiratete er und fand in seiner ebenfalls dem Lehrberuf angehörenden jungen Frau eine brave und treue Gefährtin, die seinen naturwissenschaftlichen Neigungen stets größtes Verständnis entgegenbrachte.
Ein ungemein aufgeweckter Sinn für alles Geschehen in der Natur, eine glückliche Hand, vieles zeichnerisch festzuhalten, und eine fast ans Pedantische grenzende gesunde Lebensführung waren wohl die auffallendsten Eigenschaften dieses Mannes, der still und bescheiden, aber mit unendlicher Liebe seinen Arbeiten im Interesse der Insektenkunde Oberösterreichs nachging. Als junger Lehrer in Vorchdorf mit viel Begeisterung ganz der Jägerei verschrieben, wandte er sich bald, dank seiner vortrefflichen Beobachtungsgabe der Vogelwelt zu, sammelte später dann auch Eier, beschäftigte sich mit Gewöllen, mit Losungen und hielt seinen Blick offen für alles. Schon droben am freundlichen Hollerberg bei Sankt Peter am Wimberg, wo er als Schulleiter ein naturnahes, sorgloses Leben führte, beschäftigte er sich mit den Schmetterlingen, und als er dann später nach Enns versetzt wurde, stieß er zu dem Kreis der oberösterreichischen Entomologen in Linz. Mit Hofrat Müller, Oberst Hein, Emil Hoffmann und anderen in stetem Kontakt, erwarb er sich bald ausgezeichnete Kenntnisse in der heimischen Lepidopterenfauna undd war ein überaus eifriger Mitarbeiter der Entomologischen Arbeitsgemeinschaft. Galt sein Hauptinteresse den Lepidopteren, bei welchen er für einige Gruppen, u. a. für die Pieriden, eine besondere Vorliebe zeigte, so war er auch gegenüber anderen Familien stets aufgeschlossen, ja seine für Oberösterreich wohl interessanteste Entdeckung lag auf dem Gebiete der Orthopteren, durch den Fund einiger Exemplare von Calliptamus italicus bei Kleinzell-Partenstein am 24. August 1913.
Die letzten Jahre seines arbeitsreichen Lebens beschäftigte er sich viel mit den Hummeln, und wenn es auch nie zur Aufstellung einer Zusammenfassung der oberösterreichischen Bombus-Arten kam, so widmete er sich umsomehr der Biologie dieser Tiere, er stellte manches Hummelnest im Gebiet des Hollerberges fest, fing die Imagines und machte genaue Aufzeichnungen mit Skizzen über Nestbau, Verhältnis der Geschlechter und Schmarotzer. Für die Lepidopterenfauna unseres Landes lieferte er alljährlich seine Aufschreibungen und half gerne mit bei all den vielen Arbeiten, die zur späteren Herausgabe einer Schmetterlingsfauna von Oberösterreich die Vorbedingungen schufen. Mit ganz besonderem Fleiß widmete er sich u. a. der Zusammenfassung der Geschichte der oberösterreichischen Lepidopterologie und der gesamten hierauf sich beziehenden Literatur. Wir verdanken ihm unter anderem die Feststellung von Tephroclystia irriguata Hb. bei Enns, die Wiederauffindung der lange verschollenen Syntomis phegea L. im Strudengau bei Sarmingstein, die Auffindung der auf den Südosten beschränkten Zygaena brizae Esp. an unserer Ostgrenze bei Ennsdorf in Niederösterreich, der bei uns vorher nur einmal, bei Linz gefangenen Agrotis latens Hb. im Mühlviertel usw. Untrennbar ist sein Name mit der Durchforschung des Gebietes um den Hollerberg, des weiten Donau- und Ennsaugebietes bei Enns sowie des östlich der Landesgrenze liegenden Gebietes von Ennsdorf-St. Valentin verbunden.
Kranzl ist als Vortragender im Kreis unserer Gemeinschaft wohl kaum in Erscheinung getreten, und auf publizistischem Gebiete liegen von ihm lediglich ein paar kleinere faunistische Arbeiten vor: Schmetterlinge aus dem Ötztal (Österr. Ent. V. Wien 1925), Von Tiroler Faltern und Fliegen (Österr. Ent. V. Wien 1926), Falter aus dem oberen Mühlviertel (Österr. Ent. V. Wien 1927) mit Nachtrag in der Zeitschrift der Wiener Entom. Gesellschaft 1955. Im Frühjahr 1954 entschloss sich Direktor Kranzl infolge günstiger Wohnungsgelegenheit seinen Wohnsitz in Enns zu verlassen und in die Traunseestadt Gmunden zu übersiedeln. Hier brachte er im eigenen Besitz alles in Ordnung und war noch öfters als ehedem bei allen Veranstaltungen der dortigen rührigen Entomologenrunde ein gern gesehener Mitarbeiter. Anfang 1955 unterzog er sich in Linz einer gut verlaufenen Prostataoperation, erkrankte aber später an einer Grippe, die sein durch die vorhergegangene Operation geschwächter Körper nicht mehr überwand. Betrauert von seiner Gattin, die ihm in den schweren Monaten seiner Krankheit hilfreich zur Seite stand, starb er in Gmunden am 23. April 1955. Ein großer Trauerzug, darunter Vertreter des Lehrkörpers und vor allem viele ehemalige Schüler aus Enns und manche seiner entomologischen Freunde des Gmundner Kreises, gab ihm das letzte Geleite.
Mit dem Ableben von Hauptschuldirektor i. R. Erwin Kranzl verliert der Oberösterreichische Musealverein ein anhängliches Mitglied, die Entomologische Arbeitsgemeinschaft aber einen ihrer fleißigsten Mitarbeiter und wir alle einen vortrefflichen Freund, den wir nie vergessen werden.
aus Kusdas K., 1956: Erwin Kranzl (Nachruf). - Jb.OÖ.Mus.-Ver. 101: 115-117.


Erwin Kranzl +
Am 23. April 1955 starb in Gmunden nach längerer, schwerer Krankheit Hauptschuldirektor i. R. Erwin Kranzl. Mit ihm verliert die Wiener Entomologische Gesellschaft ein altes Mitglied, die Entomologische Arbeitsgemeinschaft für Oberösterreich aber wiederum einen ihrer Getreuen und eifrigen Mitarbeiter.
Als Sohn des Schulrates Karl Kranzl am 3.2.1883 in Steyrermühl geboren, besuchte er in Timelkam und Vöcklabruck die Volksschule, später in Linz die Bürgerschule und als Abschluss das Pädagogium in Krems a.D., das er 1903 absolvierte. Als junger Volksschullehrer kam er vorerst nach Vorchdorf und wurde nach vorübergehender Dienstzeit als Aushilfslehrer schließlich zum Schulleiter der Schule am Hollerberg bestellt. 1914 kam er nach Enns, wo er vorerst als Volksschullehrer, später als Hauptschullehrer tätig war und schließlich nach einem schaffensreichen Wirken im Dienste der Jugendbildung im Jahre 1948 als Schuldirektor in den wohlverdienten Ruhestand trat. 1954 entschied er sich noch zufolge einer günstigen Wohnungsmöglichkeit zu einer Übersiedlung in die Traunseestadt.
Seit früher Jugend aufs innigste mit der Natur verbunden, war es kein Wunder, dass sich der junge Lehrer als begeisterter Verehrer Hermann Löns' der Jägerei verschrieb. Sein aufgeweckter Sinn für das Geschehen in der Natur und eine ausgezeichnete Beobachtungsgabe brachten es mit sich, dass er sich besonders mit der Vogelwelt beschäftigte und sich auf diesem Gebiet ganz ausgezeichnete Kenntnisse erwarb. Mit der Entomologie trat er so richtig in engere Beziehungen als er, nach Enns berufen, bald Anschluss an den Kreis der oberösterreichischen Entomologen fand. Sein Hauptarbeitsgebiet waren wohl die Lepidopteren, doch hatte er stets auch ein offenes Auge für andere Insektengruppen unter denen ihm besonders die Schnarrheuschrecken und Hummeln, aber auch gewisse Fliegen und Coleopteren Freude bereiteten. Besonders den Hummeln wandte er sich seit seiner Ruhestandsversetzung, angeregt durch die Arbeit Hoffers über die steirischen Hummeln, mit großer Liebe zu. Er trieb hier vornehmlich biologische Studien und brachte wohl jedes Jahr ein oder mehrere Nester verschiedener Bombus-Arten von seinem geliebten Hollerberg im Mühlviertel heim, wobei er es als richtiger Forscher nicht beim Fang allein bewenden ließ, sondern genaue Aufzeichnungen und Skizzen machte.
Auf dem Gebiet der Lepidopteren sind ihm einige für Oberösterreich sehr wertvolle Funde zu danken: Das Auffinden der Tephroclystia irriguata Hb. am Eichberg bei Enns, die Wiederentdeckung der lange verschollenen Syntomis phegea L. auf gemeinsamer Exkursion mit dem Verfasser bei Sarmingstein, die Entdeckung der Zygaena brizae Esp. bei Ennsdorf in Niederösterreich, die in der Folge zur Feststellung dieser östlichen Art auch in Oberösterreich führte, die Feststellung eines Einzelfundes der Arqynnis amathusia Esp. bei Kronstorf, als einzigen sicheren außeralpinen Fundort dieser Art in Oberösterreich usw. Seine interessanteste Entdeckung ist wohl eine Orthoptere: Calliptamus italicus bei Kleinzell-Partenstein (Mühlviertel) am 24.8 1913.
Publizistisch ist Direktor Kranzl wenig hervorgetreten, es liegen von ihm lediglich ein paar faunistische Arbeiten vor "Schmetterlinge ans dem Ötztal" (Öst. Ent. V. Wien 1925), "Von Tiroler Faltern und Fliegen" (Öst. Ent. V. Wien 1926), "Falter aus dem oberen Mühlviertel" (Ost. Ent. V. Wien 1927). Zu der letztgenannten Arbeit schrieb er noch Ende 1954 einen Nachtrag, der aber erst nach seinem Tode in Nr. 3 aus 1955 der Zeitschrift der Wiener Ent. Ges. erschien. Kranzl war ein stiller, bescheidener aber fleißiger Mitarbeiter der Entomologischen Arbeitsgemeinschaft für Oberösterreich. In den letzten Jahren beschäftigte er sich vorzugsweise in emsiger, mühevoller Kleinarbeit mit der Zusammenstellung eines Literaturverzeichnisses für die Lepidopterenfauna unseres Landes sowie mit der Geschichte der oberösterreichischen Lepidopterologie. Seit 1909 mit seiner Gattin Wilhelmine, geborene Födinger, in glücklichster Ehe vereint führte er ein vorbildliches Leben, ein Leben ohne Hast und doch voll von wertvollstem Schaffen. Als unentwegter treuer Kamerad bei so vielen gemeinsamen Sammelfahrten gestaltete er diese stets zu einer Quelle höchsten Naturgenusses. Nun ist auch dieser vortreffliche Mensch den letzten Weg gegangen. Seine Freunde werden ihn nie vergessen.
aus Kusdas K., 1955: Erwin Kranzl + (Nachruf). - Z. Wiener Ent. Ges. 40: 244-246


Nachruf Erwin Kranzl aus: Zeitschrift der Wiener Entomologischen Gesellschaft 40. Jahrgang, 1955, 176

Nachruf Erwin Kranzl aus: Zeitschrift der Wiener Entomologischen Gesellschaft 40. Jahrgang, 1955, 244-246, Kusdas Karl
Angaben zu Erwin Kranzl aus Jahrbuch des Oberösterr. Musealvereins 1983
Wildbienen- und Wespenforschung in Oberösterreich, Stand 1987 (aus Kataloge Oberösterreichisches Landesmuseum, Bd. N.F. 10)
Wildbienenforschung in Österreich (aus Kataloge Oberösterreichisches Landesmuseum, Bd. N.F. 10 [2. Auflage] = Katalog des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum Innsbruck)

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